Oder: alles auf Anfang

Es kommt der Moment, in dem wird alles zuviel.
Zuviele Gedanken, zuviele Termine, zuviel Input. Ohne Zeit, zu filtern.
Zuviel Zeitverschwendung in sozialen Medien, die für meine Begriffe immer unsozialer werden.

Zuviele Plastikfreundschaften, bunt zwar, aber unecht. Zig Likes meiner Profilfotos, aber niemand wirklich da, wenn man ihn braucht.
Etwas macht ‚klick‘ in mir. Ich will das nicht mehr.

Der Cursor verharrt über der Schaltfläche „Account unwiderruflich löschen“, schwenkt dann rüber zu „Account deaktivieren“. Durchatmen, nichts überstürzen. Es fällt mir leichter, als ich gedacht hätte. Mein linker Zeigefinger klickt.

Ich bin nicht mehr bei Facebook. Für den Moment.
Ich bin gespannt, wie lange ich durchhalte.

48 Stunden nach der Deaktivierung

Ulkigerweise fühle ich mich befreit. Der Reset tut mir gut.
Irgendwie ist da ein Druck weg, von dem ich gar nicht richtig bemerkt hatte, dass er da ist… Oder ich wollte es schlicht nicht wahrhaben.
Zugegeben, der Impuls ist ständig da, das Smartphone in der Hand, mal eben die App starten – in weiser Voraussicht und meine Pappenheimer kennend habe ich die App vom Smartphone geschmissen, bevor ich den Account am PC deaktiviert habe. Manchmal bin ich da total bewusst und denke: „Jetzt würdest Du eigentlich mal wieder bei Facebook reinschauen, eigentlich nur weil Dir langweilig ist. Was machst Du stattdessen gegen die Langeweile?“ Lesen. Gerne auch Solitär spielen. Auf’s Klo gehen. Telefonieren. Mails lesen. Abwaschen.
Ich müsste lügen, um zu behaupten, dass es nicht ein bisschen seltsam wäre, so ganz ohne Facebook. Schließlich gibt es da Leute, mit denen ich sonst gar nicht kommunizieren könnte/würde, und das wäre schon schade.
Deswegen auch erstmal „nur“ deaktiviert. Ich muss die Leute, die mir wirklich wichtig sind, nochmal kontaktieren, um Kommunikationsalternativen zu erfragen.

Wer weiß, vielleicht lösche ich ihn dann komplett. Vielleicht habe ich bis dahin aber auch den richtigen Umgang mit der Plattform gelernt.

Zwei Wochen nach der Deaktivierung

Komischerweise vermisse ich gar nichts. Ehrlich. Nichts.
Ich bin erstaunt, wie lange der Akku meines Handys hält. Ich muss – kein Scheiß – nur alle zwei Tage laden.

Wie gesagt, es ist ein Experiment, aus meiner persönlichen Sicht ein lange überfälliges Experiment.
Bisher verläuft es äußerst erfolgreich und zufriedenstellend.

Mir geht es gut, so ganz ohne Druck.

Beitragsbild via Talia Tokugawa