Vorab: das hier wird sehr lang. Schenkt Euch ein Glas Wein ein. Dreht Euch ’ne Tüte. Egal wie, nehmt Euch Zeit. Das tun wir eh viel zu wenig.

Ich beanspruche in keiner Form Originalität der im folgenden ausgedrückten Gedanken. Das war bloß meine Gedanken-Gang auf einem ihrer Gedankengänge. Keine der Theorien ist mein Eigentum, sondern vielmehr ein Schluss, zu dem ich, wie schon einige vor mir, nach vier Jahrzehnten auf dieser Erde gelangt bin. Sollten eventuelle Fehler bei Daten oder Angaben auftreten, so bitte ich alle Schlaumeier und Klugscheißer schon mal vorab um Entschuldigung (nicht). Derartige Fehler ändern nämlich REIN GAR NICHTS an der Schlussfolgerung an sich.

Menschsein/Menschheit/Zivilisation

Die schlechte Nachricht: wir richten uns selbst zugrunde. Die gute Nachricht: Daran ist niemand wirklich schuld und niemand von uns, die wir dies hier gerade lesen, wird das erleben.
Die Erde… die gute alte Erde. Ziemlich lange Zeit unbewohnbar und lebensfeindlich, und dann doch bevölkert von klitzekleinen Amöben, aus denen sich ALLES entwickelt hat. Anglerfische und Waschbären, Dingos und Gürteltiere, Kröten und Kakerlaken… und irgendwann, die menschliche Spezies. Vor ungefähr 200.000 Jahren zum ersten Mal fossil belegt. Unsere Wiege? Der afrikanische Kontinent. Das geht in erster Linie an all die Leute überall auf der Welt, die hellhäutige Menschen für besser halten als alle anderen, nur weil sie vielleicht in der Überzahl sind: eure Mama war irgendwann früher mal schwarz. Just so you know.

Irgendwann begannen diese ersten Menschen, zu migrieren. Vielleicht, weil es in ihrer von Grund auf neugierigen Natur so festgelegt ist (= Instinkt), vielleicht auch aus der reinen Notwendigkeit heraus. Wer weiß, möglich, dass es dort wo sie lebten irgendwann mal nicht mehr genug Nahrung für alle gab. Also gingen sie fort, breiteten sich aus, passten sich den neuen, unbekannten Gegebenheiten an. Entwickelten sich weiter. Es ging ihnen gut, diesen Menschen, ihre Spezies wuchs stetig an. Sie waren in der Lage, sich gegen die sengende Hitze der Wüste ebenso so schützen, wie vor der Eiseskälte der letzten Eiszeit. Die Natur hat uns mit einem Gehirn, einem Geist ausgestattet, der diese Entwicklung überhaupt erst möglich gemacht hat, denn er geht mit extrem guter Anpassungsfähigkeit einher. Darwin und so. Intelligenz. Neugier. Empathie. Ohne diese Faktoren hätte die Zivilisation nicht so ablaufen können, wie sie abgelaufen ist. Und ohne Migration würden wir noch heute in Höhlen leben.

Womit wir beim Knackpunkt wären. ZIVILISATION. Was für eine großartige und grausame… Erfindung. Entwicklung. Niemand ist wirklich „schuld“ daran oder hat sich überlegt, „Ey, lass ma zivilisieren, das geht doch so unorganisiert nicht weiter!“ Sie ist eine Folge der menschlichen Evolution und beruht auf der schon erwähnten, uns gegebenen Intelligenz.

Das Problem ist, dass die Zivilisation des Menschen zu schnell verlaufen ist. Zu schnell, gemessen am Tempo der menschlichen Evolution. Zivilisation fängt an bei der simplen Erfindung eines Abwassersystems (ich glaube, correct me if I’m wrong, dass da die alten Römer recht pfiffig waren und sowas erdacht und umgesetzt haben). Bis dato schwamm die Scheiße nämlich buchstäblich auf dem Boden rum, wenn es mal geregnet hat. Es wurde also hygienischer. Man wurde weniger krank, lebte länger und konnte mehr Nachkommen zeugen.

So vom Grundprinzip her dürfte allen klar sein, was ich mit Zivilisation meine.
Mehr Menschen bedeuteten aber auch mehr… Chaos, also ersann man sich gewisse Strukturen, um den Überblick und die Kontrolle nicht zu verlieren. Einige Strukturen waren naturgegeben (alt/jung, männlich/weiblich), andere basierten auf materiellen oder spirituellen Faktoren.

Und im antiken Griechenland kam man irgendwann auf die Idee der Demokratie. Eine tolle, wenngleich schon damals etwas verlogene Idee, nach der alle Macht vom Volke ausgeht. Warum verlogen? Weil sie schon damals in der Grundidee Sklaven, Frauen und Ausländer ausschloss. Nur sogenannte „freie“ Bürger durften an ihr „teilhaben“. Und das hat sich bis heute nicht geändert, zumindest was Ausländer betrifft. Kohle in Form von Steuern dürfen sie abdrücken, aber mitbestimmen lässt man sie nicht. Das ist das allerletzte. Nun gut, „Demokratie“ funktionierte trotz allem damals wesentlich besser als sie es heute je könnte, und damit kommen wir zum nächsten Aspekt.

Demokratie und warum sie gescheitert ist

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die Demokratie gescheitert ist, weil sie unmenschlich geworden ist. Woran ich das festmache? Na, kuckt Euch dochmal um! Findet Ihr es okay (also menschlich), dass man sich sein Dach über dem Kopf, seine Nahrung, etc. (übrigens sämtlich menschliche, naturgegebene Grundbedürfnisse) erwirtschaften muss? Ich gebe zu, das ist ein etwas naiver Gedanke, aber es ist das allerletzte, wenn man bedenkt, dass kein Mensch auf der Welt etwas „dafür kann“, dass er existiert.
Keiner hat sich ausgesucht, auf die Welt zu kommen, und doch müssen wir, im wörtlichen Sinne, dafür bezahlen.

Unser System mag von der Grundidee her nicht schlecht sein und auch gerecht, aber es wird der Anzahl Menschen, die heute auf der Welt leben, einfach nicht mehr Herr. Und dafür kann keiner was. Aber es ist so. Wieviele Menschen gab es wohl zu Zeiten der alten Griechen? Könnte ich alles exakt ergoogeln, hab ich auch schon probiert, habe aber keinen Bock, meine Zeit damit zu verplempern, weil die genaue Zahl nicht wirklich ins Gewicht fällt – es waren vielleicht ein paar Hunderttausend weltweit, vielleicht auch schon ’ne Million oder so, aber nicht viel mehr, denke ich. Und man muss keinen Doktor der Anthropologie haben, um zu checken, dass eine Idee, die für zwei Millionen Menschen vielleicht mal ganz gut funktioniert hat, für gut 7 Milliarden GAR NICHT FUNKTIONIEREN KANN. Zumindest nicht in den alten Strukturen.

Denn der Mensch ist zwar ein Herdentier, ist und bleibt aber auch Individuum. Kein Mensch ist wie der andere, auch eineiige Zwillinge nicht (wenn man von der genetischen Information mal absieht).
Was für mich gerecht erscheint, muss für Dich nicht zu hundert Prozent passen.
Unser System KANN überhaupt nicht jedem einzelnen gerecht werden. Und die verallgemeinernden Regeln, hier und da nennt man sie Gesetze, nach denen sich Menschen zu verhalten haben, sind mittlerweile unzureichend, oft ungerecht. Und die paar Leute, gemessen an der Gesamtbevölkerung, die aufpassen sollen, dass die Regeln eingehalten werden, die kommen da – natürlich – nicht hinterher. Geht ja gar nicht, soviel Zeit hat niemand. Deswegen werden noch mehr Regeln erdacht, um den anwachsenden Frust der Bevölkerung zu deckeln und weiter zu reglementieren.
Denn ein unfreier Mensch wird aggressiv. Wie ein Tier im Käfig. Und das kann bei so vielen Menschen auf der Welt nur in der ultimativen Massenprügelei (um es mal verbal etwas zu verharmlosen) enden, auf die wir uns zu bewegen.

Diese Regeln sind eine direkte Konsequenz der voranschreitenden Zivilisation und der wachsenden Bedeutung von wirtschaftlichem Status. Politik als Begleiterscheinung der menschlichen Evolution.

Demokratie unter so vielen Menschen könnte nur dann funktionieren, wenn die menschliche Spezies etwas altruistischer gepolt wäre. Ich hatte da mal eine abgefahrene Vision, völlig lächerlich nach heutigen Gesichtspunkten, jedoch meines Erachtens nach die einzig mögliche Rettung des Menschen, wenn er denn in 500 Jahren noch leben will.

Sie ging so: stellt Euch vor, alles ist wie immer – aber es gibt kein Geld. Es existiert einfach nicht, wurde nicht erfunden (oder rechtzeitig wieder abgeschafft). Trotzdem geht jeder seinen Tätigkeiten nach, geht in die Fabrik oder die Bäckerei, um die Güter, die wir konsumieren (sowohl überflüssige Luxusgüter, als auch notwendige Lebensmittel) weiter zu produzieren. Sei es, weil man sich sonst zu Hause langweilt, oder weil einem die betreffende Tätigkeit einfach Spaß macht. Stellt Euch vor, Ihr geht in den Supermarkt/Drogerie/Klamottengeschäft und nehmt Euch einfach, was Ihr braucht, ohne zu bezahlen.

Ich höre schon wieder das hämische Gelächter der verbitterten, ewigen Zweifler: „Anarchie! Der Anfang vom Ende!“
Ich gebe ihnen Recht. Das kann nicht funktionieren, weil die menschliche Spezies (noch) nicht so tickt. Unser Egotrieb ist zu stark ausgeprägt, und genau darauf wollte ich vorhin hinaus: die Evolution konnte noch nicht soweit voranschreiten, um unseren Geist, unser Denken altruistischer zu machen. Sie verläuft zu langsam für das herrschende Zivilisationstempo. Denn wenn wir anders tickten, wenn wir dieses Bedürfnis, diesen Instinkt (für den niemand etwas kann), zunächst unsere eigene Existenz zu sichern und uns nach Möglichkeit zu bereichern – damit unsere Nachkommen noch etwas davon haben – nicht so stark verspürten, würden wir die Supermärkte/Drogerien/Klamottengeschäfte auch nicht plündern.
Wenn wir wüssten, es ist immer genug für alle da, dann wäre diese ganze Angst weg. Weil wir kapiert hätten, dass es nur in der Gemeinschaft funktioniert. Und dass jeder wichtig ist und seinen eigenen Beitrag leistet.

Ich glaube, dass der Mensch noch eine Chance hat, auch wenn ich das nicht mehr erleben werde – denn bis es soweit ist, wird es noch eine Weile dauern. Zur Veranschaulichung: ca. 200.000 Jahre Mensch, ca. 2.000 Jahre Zivilisation, da braucht es noch ein paar Generationen, bis unser Denken sich gewandelt hat.

Die schlechte Nachricht also: der demokratische Karren ist an die Wand gefahren und stottert müde vor sich hin. Der macht nicht mehr lang. Er wurde von Machthunger, Neid und Angst gelenkt und liegt in Trümmern. Die gute Nachricht: niemand von uns, die wir dies hier gerade lesen, wird das endgültige Ende der Demokratie miterleben.
Dafür sollten wir alle dankbar sein.

Glaube

Der Mensch ist, wie bereits erwähnt, mit außergewöhnlicher Intelligenz gesegnet, manchmal auch gestraft. Lernfähig und einfallsreich, sonst hätte er sich nicht so weit entwickelt. Dennoch gibt es Dinge, die sich seinen kognitiven Fähigkeiten entziehen, die nicht logisch oder plausibel zu erklären sind. Also schreibt man Unerklärliches einer göttlichen Kraft zu (Blitzeinschläge und darauffolgendes Feuer, z.B. oder andere witterungsbedingte Phänomene, die sich Höhlenmenschen damals aufgrund mangelnder Erfahrung zunächst nicht erklären konnten).

Derartiger „Glaube“ war also schon immer Bestandteil der menschlichen Kultur. Mit der Zivilisation entstanden in der Gesellschaft gewisse moralische und ethische Vorstellungen. Eine menschliche Grundhaltung, mit der wir alle auf die Welt kommen, die von Toleranz und Akzeptanz geprägt ist. Von Empathie und Hilfsbereitschaft. Und an alle Zyniker, die mich jetzt naiv finden und herablassend belächeln: Ihr könnt mich mal.

Die genannten moralischen und ethischen Vorstellungen sind super, denn sie tun uns im Grunde genommen gut und fördern das Miteinander. Was so dumm an der Sache gelaufen ist: man hat sich damals eingebildet, das alles in ein striktes Regelwerk pressen und es Religion nennen zu müssen.

Ehrlich, wenn Jesus und Mohamed (um mal nur die beiden zu nennen) heute leben würden, die würden mal so richtig einen Aufstand machen, wenn sie mitbekämen, was für eine gequirlte unmenschliche Kackscheiße hüben wie drüben in ihrem Namen verbrochen wird. Katholische Bischöfe, die in Samtbrokat versinken, während das von ihnen missionierte Afrika IMMER NOCH zum großen Teil am Hunger erstickt. Nächstenliebe? Fuck you. You’re doing it wrong.

Glaube ist gut, Glaube muss sein. Vielleicht nicht für jeden, aber für viele. Es gibt uns Halt und Sicherheit, an etwas zu glauben. Jeder (okay, fast jeder) glaubt an irgendwas. An sich selbst, an Karma, ans Universum, an Gott. Schwierig wird es immer erst, wenn andere durch Regeln bestimmen wollen, an was und wie genau man zu glauben hat. Und Maßnahmen bestimmen, die zu ergreifen sind, wenn jemand gegen das Glaubensgebot verstößt. Diebe, denen die Hände abgehackt werden, Steinigungen, Misshandlungen von Frauen und Kindern, alles im Namen von Gottheiten, die nicht göttlich, sondern von Menschen gemacht sind. Eure Propheten hatten anderes im Sinn, soviel ist klar. Denn die wussten, dass Glaube im Herzen entsteht und dass es durchaus unterschiedliche Ansichten geben darf, ja, geben MUSS. Weil, ich sage es nochmal: wir sind nicht alle gleich, und das ist auch gut so (ich vermisse Wowi ein bisschen, ‚tschuldigung).

Buddhisten, Juden, Moslems, Christen, Hindus, um mal nur die fünf großen zu nennen. Wäre es nicht interessant, einfach mal ganz angstbefreit miteinander zu reden und zu kucken, wo sich die Glaubensrichtungen unterscheiden, und wo sie Parallelen haben? Anstatt immer nur zu meckern (mit Ausnahme der Buddhisten, vielleicht auch der Hindus, aber darüber weiß ich zu wenig) und mit dem Finger auf die andere, vermeintlich schlechtere Religion zu zeigen? Nur um dann mit dem selben erhobenen Finger seine eigenen Schäfchen unter Androhung von Strafe im Zaum zu halten.
Dieser religiöse Separatismus hat in den zweitausend Jahren dokumentierter Religionsgeschichte noch kein einziges Mal irgendwas Positives hervorgebracht. Es wurde eine Menge Blut vergossen. Wenn er das wüsste, würde JC wahrscheinlich sofort aus der Kirche austreten.

Klischees/Stereotype/Unterschiede

Dieser ist der schwierigste Abschnitt. Mir ist wichtig, sensibel mit den offenkundigen Unterschieden umzugehen und niemanden absichtlich oder auch unabsichtlich zu verletzen. Ich befürchte jedoch, dass mir das nicht gelingen wird und rieche den aufziehenden Shitstorm bereits. Aber ich werde das Risiko eingehen.

Dass wir unterschiedlich sind, habe ich bereits mehrfach erwähnt, doch mir schwant, als werde ich das noch ein weiteres Mal tun müssen. Wir sind also verschieden. By the way, wer möchte, kann hier nachlesen, wo eigentlich der Unterschied zwischen „verschieden“ und „unterschiedlich“ liegt.

Hellhäutig, braunhäutig, schwarzhäutig. Blond, braun-, schwarz- oder rothaarig. Runde Augen, schmale Augen, blaue, braune, grüne oder graue Augen. Geil, oder? Für jeden was dabei. Ich persönlich feiere diese Vielfalt. Es gibt aber auch Menschen, die haben Angst davor. Weil sie falsch oder gar nicht informiert sind.

Und die treffen sich dann montags oder sonstwann und bringen ihre Angst zum Ausdruck. Woher kommt diese Angst? Angst wird fast immer im Unwissen geboren. Das ist ein Instinkt, für den niemand etwas kann. Unbekanntes löst je nach Situation einen Kampf- oder Fluchtreflex aus.

Und wenn man Menschen lange genug mit Hilfe der Medien Angst einjagt, und sie aber gar nicht wissen, dass und wo sie sich weitere/andere Informationen holen können, ja, dann glauben die das natürlich irgendwann.

(Kleiner Einschub, es handelt sich hier nicht um eine Verschwörungstheorie. Ich glaube nicht an Chemtrails, bin kein Impfgegner und auch kein Reichsbürger, ich sage auch nicht „Lügenpresse“, aber die Menschen nach Möglichkeit so uninformiert wie möglich zu lassen, das hat mittlerweile System in meinen Augen. Das ist auch keine sonderlich neue Erkenntnis, da sind lange vor mir schon Leute drauf gekommen. Die Amis haben es vorgemacht, alle anderen machen es nach. Ein gut informiertes Volk stellt vielleicht unbequeme Fragen, und die mag niemand beantworten. Ja, ich habe gerade pauschalisiert und „die Amis“ gesagt. Weil ich schon eine Weile bei dem Schmierentheater zukucke. Weil ich persönliche Erfahrungen gemacht habe, die diesen Schluss untermauern. NATÜRLICH gilt das nicht für ALLE AMERIKANER, am wenigsten für die Bevölkerung.)

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die Angst schüren. Wir sind ja eh schon so viele hier, und jetzt kommen die auch noch dazu! Verarbeitetes Fleisch ist krebserregend! Wer keine Miete zahlt, fliegt! Immer schön die Beine still halten, sonst ist der Job flöten! Angst, Angst, Angst, erstaunlich, dass wir nachts überhaupt Schlaf finden, so wir es denn tun.

Allen voran wird dieser Tage wieder die Angst vor Fremden geschürt, denn es ist einfacher, die besorgten Bürger wüten und die Medien darüber berichten zu lassen, als die Bevölkerung, einschließlich der besorgten Bürger, darüber aufzuklären, dass diese armen Menschen nicht aus Langeweile zu uns kommen, sondern weil es ihnen in ihrem Land an den Kragen geht. Weil da Krieg herrscht. Krieg mit Waffen, die auch Deutschland dahin verkauft hat. Krieg aus religiösen und ethnischen Gründen, weil einer oder viele gegen diese bereits erwähnten beknackten Regeln verstoßen hat.

Liebes Pegida-Mitglied, hab keine Angst. Sie kommen nicht, um Dein Leben kaputtzumachen. So wichtig bist Du nicht. Sie kennen Dich gar nicht! Sie kommen, weil sie keine andere Wahl haben. Bzw. haben sie doch die Wahl: im Krieg ums Leben kommen oder flüchten und dann – vielleicht – die Flucht überleben und eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben in Deutschland bekommen.

Ja ja, ich weiß, kein besorgter Bürger wird diesen Artikel lesen, und wenn doch, ist es mehr als fraglich, ob er ihn richtig versteht. Weil Fremdenhasser immer den einfachsten Weg gehen. Schwierig können sie nämlich nicht. Verteufeln kann jeder, das ist Pipifax. Sich auseinander setzen, fragen, erklären, verstehen, vergeben, das ist Arbeit. Darauf haben die keinen Bock, bzw. sind sie damit überfordert. Deswegen hassen sie, zeigen mit dem Finger und suchen die Schuld bei allen außer sich selbst, weil das einfacher ist, als lieben und akzeptieren, einfacher, als zu versuchen, das Fremde zu verstehen.

Sie raffen bloß nicht, dass ihr ganzer Hass nichts ändert. Die werden ja nicht auf einmal alle weiß, nur weil sie Angst vor Schwarzen haben. Oder christlich, weil sie den Islam nicht verstehen. Sie zetern, strampeln und sabbern wie ein wütendes Kleinkind und nichts ändert sich. Das ist aber auch frustrierend, menno! Du Eierloch!

Dabei ist es gar nicht so schwer, die Unterschiede zu begreifen und anzunehmen. Und ich meine damit nicht, dass man Zwangseheschließungen und andere körperliche und seelische Misshandlungen im Namen von irgendwem gutheißen muss. Wichser gibt es immer. Und die werden anderen Menschen immer Gewalt antun, egal ob sie Juden, Christen oder Moslems sind. Weil sie kleine ängstliche Würstchen sind, die sich anders nicht zur Wehr setzen können. Es ist wichtig zu begreifen, dass anders sein viel mehr ist. Und dass man am anders sein oft gar nichts ändern muss, wenn denn die Akzeptanz da ist.

Stichwort „Klischee“:
Ich lehn mich jetzt mal ein bisschen aus’m Fenster und behaupte: fast jedes Klischee hat seine Berechtigung. Und bevor jetzt alle schreien, ich meine damit folgendes:

Mal sehen… vielleicht am Beispiel des Klischee-Schwulen. Gibt es den überhaupt? Ja, klar gibt es den. Und das Klischee wird erst in dem Moment zum „Problem“, wenn man es mit etwas Negativem verbindet. Der hat ’ne Regenbogen-Mütze auf und ’ne pinke Feder-Boa um? Spricht überaus deutlich und exaltiert und benutzt seine Arme dabei mehr als Du? Ja, lass ihn doch. Da ist ja nun überhaupt nichts dran auszusetzen. Solange er nicht versucht, Dir gegen Deinen Willen besagte Boa umzuhängen, hast Du die Klappe zu halten und ihn sein zu lassen wie er ist. So einfach ist das.

Noch so ein Beispiel, vielleicht nicht für Klischees, aber für diese kranke Entwicklung, allem ein Label zu verpassen und dadurch zu thematisieren/problematisieren: Als ich in die Grundschule ging (’80-’86) waren Kloppereien auf dem Schulhof das normalste der Welt. Die Streithähne wurden getrennt, es gab einen Eintrag im Klassenbuch, vielleicht auch einen Anruf bei den Eltern und gut. Heute werden – überspitzt gesagt – die Streithähne getrennt und zum Schulpsychologen geschickt. Und das finde ich maßlos übertrieben. Natürlich denken diese Kinder dann, dass irgendwas nicht mit ihnen stimmt, wenn bis zu einem gewissen Grad normales Verhalten auf diese Art bewertet wird. Kinder kloppen sich halt mal. Nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass es Erkrankungen wie ADS, die ja oft mit derartigen „Ausrastern“ in Verbindung gebracht werden, nicht gibt, aber heutzutage macht man es sich halt leicht. Ausgetickt und dem Nachbarsjungen die Schippe geklaut? Wo ist das Ritalin?

Was ich damit sagen wollte, und auch mit dem Beispiel des Schwulen-Klischees: vieles wird erst dann zum „Problem“, wenn man ihm einen Namen gibt. Lass sie doch, die Klischee-Schwulen, die Klischee-Emanzen, lass sie alle ihre Klischees feiern. Solange niemand aufgrund der Erfüllung eines bestimmten Klischees/Stereotyps oder der Zugehörigkeit zu einer Randgruppe anders oder schlechter behandelt wird, kann man nicht von Diskriminierung sprechen.

Stereotypisierung ist nicht das gleiche wie Diskriminierung. Letzteres ist die ungleiche Behandlung aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder der sexuellen und/oder religiösen Ausrichtung. Klischees und Stereotype wird es immer geben, weil – und jetzt kommt’s, liebe Fremdenhasser, WIR VERDAMMT NOCHMAL UND GOTTSEIDANK ALLE UNTERSCHIEDLICH SIND!!!

Und weil das so ist, funktioniert beispielsweise Baby Got Laugengebäck nur mit schwarzen Tänzerinnen. Weil Laugengebäck braun ist. Und weiße Haut nicht. Hätte er Quarkröllchen besungen, hätte er vielleicht moppelige blonde Schwedinnen zum Tanzen animiert. Hat er aber nicht.
Und wer dem Böhmermann da einen rassistischen Strick draus drehen will, ja, der hat’s einfach nicht verstanden. Rassismus wäre, wenn die schwarzen Tänzerinnen weniger Honorar für ihren Einsatz bekommen hätten, als die hellhäutigen Kolleginnen. Vielleicht sollte man einfach mal die Tänzerinnen (denn die betrifft es ja) fragen, ob sie sich denn diskriminiert fühlen. Die Mädels sind halt schwarz und eignen sich deshalb gut dafür, ein Laugengebäck darzustellen. Da irgendwas anderes rein zu interpretieren ist… ja, ich weiß auch nicht. Zeitverschwendung.

Und wer jetzt wettert: „Das kannst Du gar nicht beurteilen, weil Du nicht weißt, wie es ist, schwarz zu sein!“ dem sei gesagt: Recht hast Du. Ich habe helle Haut und kann dafür genauso wenig. Das große Aber, das jetzt gleich kommt, das verpacke ich aber lieber in den letzten Aspekt.

Fazit

Ich bin weiß. So sieht es aus. Und deswegen darf und kann ich mir eigentlich kein Urteil über die spezifische Hautfarben-Problematik erlauben. Auch wenn ich selbst schon Rassismus erlebt habe. Ich wurde auf einem Femi Kuti-Konzert mal von einer kleinen (ich meine die Körpergröße) Afrikanerin angekackt, ich würde ihr die Sicht auf die Bühne versperren. Und was mir denn einfiele, „you white bitch“, so ein Konzert überhaupt zu besuchen und dann auch noch Dreadlocks zu tragen. Sie hätte sich auch einfach vordrängeln oder mich zur Seite bitten können. Hat sie aber nicht.

Rassismus ist schlimm, keine Frage. Religiöser Fanatismus auch. Es ist schlimm, was in Palästina und Syrien passiert. Was vor siebzig Jahren hier passiert ist. Und heute direkt hier vor der Haustür passiert. Das ist grauenhaft, natürlich, auch wenn das jetzt ein bisschen sarkastisch klingt.

Aber bringt es was, immer wieder auf das Schlimme der Vergangenheit zu verweisen? Ich sage nicht, dass wir vergessen sollen, was schwarzen Sklaven passiert ist und was Schwarzen noch heute in den USA und anderswo widerfährt. Ich sage auch nicht, dass wir die Toten des zweiten Weltkriegs und aller anderen Kriege vergessen sollen.

Doch die Suche nach dem Schuldigen ist das eigentliche Problem, denn sie wird nie von Erfolg gekrönt sein. Niemals.
Das könnt Ihr vergessen.

Wälzt sie doch mal, die Geschichtsbücher. Seit Hunderten von Jahren schon versuchen wir die Schuldfrage zu beantworten, und hat es was gebracht?

Nein. Hat es nicht. Und selbst wenn man den oder die Schuldigen ausmachen könnte, was würde das an dem bereits Geschehenen ändern? Hm? Merkt Ihr selber, ne? Gar nichts nämlich. Passiert ist passiert. Auch wenn man wüsste, wer angefangen hat, Vergeltung macht die Toten nicht wieder lebendig. Nach vorn schauen. Besser sein. Besser machen. Mit besonderer Betonung auf Letzterem.

Paris letzte Woche, das alles ist so furchtbar, so unsinnig, so grausam und unmenschlich.
Aber dass sie jetzt Gegenangriffe fliegen und IS-Stellungen bombardieren wollen, das ist genauso schlimm. Denn es ändert rein gar nichts an dem, was geschehen ist. Es werden – wieder einmal – zuviele unschuldige Menschen ums Leben kommen. Die dann wiederum dem IS das „Recht“ geben, weiter Bomben zu legen. Die Gewaltspirale wird nie enden. Nie.

Ich gebe zu, dass das Ganze hier ein bisschen fatalistisch klingt, so als hätte ich hingeschmissen und aufgegeben, aber so ist es nicht. Ja, die Demokratie hat versagt, auf jeden Fall, also was bleibt uns? Selbst wenn man uns das bisweilen einredet; niemand von uns wird je so wichtig sein oder etwas so Tolles hervorbringen, das die Welt zu einem nachhaltig besseren Ort macht. Traurig, aber wahr.

Was uns bleibt ist, kein Arschloch zu sein.

Nicht zu sagen „Aber der hat angefangen!“, denn das sagen sie seit Jahrhunderten. Wollen wir auch so sein? Na, dann pisst Euch nur munter weiter gegenseitig ans Bein und zeigt weiter mit dem Finger auf Juden, Christen, Moslems, Schwule, Schwarze, Frauen, Behinderte, Arbeitslose, Ausländer, etc. Oder wollen wir es anders machen? Dann MACHEN wir es anders. Aufhören zu labern (I know, I shouldn’t be talking) und einfach machen.

Und, als Abschied an die Zyniker: ich freue mich, wenn ich ein hämisches Lächeln auf Euer Gesicht gezaubert habe, denn auch ein hämisches Lächeln ist und bleibt ein Lächeln, und damit habe ich mehr Gutes getan als Ihr mit Euren Zweifeln je erreichen könnt.

Foto-Credit: Denis Bocquet