Wer mich persönlich kennt weiß, dass ich keinen Fernseher zu Hause habe, und das ist kein Zufall.
Ab und an, wenn ich unterwegs bin so wie gerade, schalte ich daher die Glotze in meinem jeweiligen Hotelzimmer ein, einfach so, um mal zu kucken, ob das dargebotene Programm noch immer so grottig ist wie damals, als ich beschloss, mein Fernsehgerät abzuschaffen.
Einmal war ich auch mal drei Wochen am Stück im gleichen Hotel und hab die Fernbedienung kein einziges Mal angefasst.

Gestern lief dann mal wieder Pro7. Und was ich da gesehen habe, hat mich wirklich fasziniert. Seitdem forsche ich wie eine Bekloppte. Ich googele immer wieder einen Personennamen und einen Ortsnamen: Pablo Novak und Villa Epecuén.

Dort ist im November 1985 etwas passiert, was das Antlitz der Erde an diesem Ort im wahrsten Sinne für immer verändert hat.

Villa Epecuén war seit Januar 1921 ein äußerst beliebter argentinischer Kurort, der Lago Epecuén, an dessen Ufern die Stadt errichtet wurde, war bekannt für seine hervorragenden heilsamen Eigenschaften. Nach dem Toten Meer ist dieses Gewässer das zweitsalzigste der Welt.
20.000 Touristen (hauptsächlich aus Buenos Aires) pro Saison waren keine Seltenheit. Die Stadt mit kaum 1.500 Einwohnern konnte 5.000 Menschen beherbergen.

Hervorgerufen durch wochenlang anhaltende Regenfälle und eine daraus resultierende stehende Welle, brachen am 10.Novemer 1985 die Lehmdämme an mehreren Stellen und die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Die Stadt versank innerhalb weniger Stunden regelrecht, der Wasserspiegel stieg auf 10 Meter an, und das sollte sich in den kommenden 27 Jahren auch nicht ändern.

Seit 2009 ist die Region nun von Regenarmut betroffen, der Salzsee zog sich langsam aber stetig zurück und gab die Stadt wieder frei.
Wenn man weiß, welchen Schaden bereits Süßwasser anrichten kann, kann man sich die zerstörenden Eigenschaften von Salzwasser in etwa ausmalen.

Der weißen Salzkruste fiel bis auf ein paar Toilettenschüsseln und Mauerreste alles zum Opfer.
Wenn man heute durch die Stadt geht, mutet sie an, wie eine zerbombte Geisterstadt. Klar, dass hier niemand mehr lebt.

Obwohl… das stimmt nicht ganz, und damit kommen wir zu dem eigentlichen Teil, der mich gestern so fasziniert hat:

Ein einziger Mensch lebt in der Stadt. Einer, der zurückgekehrt ist an seinen Geburtsort, in dem er 1930 das Licht der Welt erblickte:
Pablo Novak.

Der heute 86jährige lebt, ohne seine Frau (sie ist zu krank), aber mit seinen Hunden in Epecuén. Als sich das Wasser 2009 begann, zurückzuziehen, ist er zurückgekehrt – nachdem sie ihn allerorts für verrückt erklärt hatten.
Doch seine Sehnsucht, sein Heimweh, es war zu groß. Bis heute, sagt er, ist er furchtbar traurig darüber, dass niemand motiviert genug war, sein geliebtes Epecuén wieder aufzubauen.

Doch Pablo ließ sich nicht beirren. Allen Widrigkeiten zum Trotz ging er zurück und verbringt nun dort seinen Lebensabend.
Auf die Frage, ob er sich nicht einsam fühlt, erwidert er jedes Mal: „Ich hab ja meine Hunde.“ Daran werde ich denken, wenn ich mich das nächste Mal einsam fühle… Außerdem bekommt er jeden Tag Besuch von seinem Enkel Christian, der ihn mit Lebensmitteln und Gas versorgt – elektrischen Strom gibt es in Epecuén erwartungsgemäß nicht.

Pablo will bleiben, bis zum Schluss.
„Hier bin ich geboren, hier möchte ich auch sterben.“

Dieser schöne Kurzfilm von Urtext Films fasst es anschaulich zusammen.

Pablo’s Villa from Urtext Films on Vimeo.

Beitragsfoto: Screenshot

Weitere, eindrucksvolle Fotos gibt es hier.

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