Auf Facebook wird seit gestern wieder vehement diskutiert – wegen diesem unmöglichen H&M-Bild mit dem schwarzen Jungen im grünen Pulli, auf dem steht „COOLEST MONKEY IN THE JUNGLE“. Ich hab das Bild meinem Freund gezeigt (schwarz und aufgrund rassistischer Kackscheiße vor fünf Jahren aus den USA nach Berlin emigriert), und der hat nur mit dem Kopf geschüttelt und sich an den selben gepackt.

Was aber eigentlich noch viel schlimmer ist, ist jetzt diese Diskussion, ob die Empörung an sich überhaupt gerechtfertigt ist.

Ein Autor hat auf welt.de (Springer-Presse… und entsprechend ernst zu nehmen = wird nur ausnahmsweise verlinkt) die These verbreitet, die Empörung selbst wäre das Problem.

In die gleiche unsensible Kerbe gehauen hat dann noch ein weiterer Herr, der auf Facebook die Frage in den Raum warf, ob es denn nicht eher ein „Assoziationsproblem“ der Ankläger wäre. Quasi sollen Schwarze sich nicht so anstellen oder einfach drüber stehen. „Selber schuld, wenn ihr euch den Schuh anzieht!“ oder wie darf man das verstehen?
Wohlgemerkt – beides weiße Männer, hochinteressant. Ihren Senf dazugegeben haben eine Menge Leute, die meisten davon hellhäutig, aber immerhin auch ein paar Schwarze. Allerdings  – auch in der schwarzen Bevölkerung gibt es Vollidioten, Stichwort Ben Carson, selbst schwarz, der die Sklaverei als „unfreiwillige Immigration“ bezeichnet hat.

Stellt Euch mal vor, ein hellhäutiges Kind mit dunklen Locken, jüdisch anmutend, trüge ein Shirt auf dem steht „Illest Itzhak in the biz“. Würdet Ihr den Anklägern (und die würden sich – völlig zu Recht – lautstark zu Wort melden) auch unterstellen, sie seien überempfindlich? Garantiert nicht.

Das Ding ist, und das gilt auch für die Männer, die über die #metoo-Kampagne lästern:

IHR HABT KEINE AHNUNG, WOVON IHR REDET!!!

Ihr wurdet noch nie auf Euren Körper reduziert oder ohne Einverständnis bedrängt und angegrapscht, geschweige denn aufgrund Eurer Hautfarbe beleidigt oder misshandelt – und nur weil Euch die Diskussion darüber lästig ist, weil Ihr zu bequem seid, Euch darauf einzlassen und hinzuhören, gibt Euch das nicht das Recht, es abzutun oder sogar die Rechtfertigung der Empörung in Frage zu stellen. Wer das tut, sagt auch „Die war selber schuld, hatte ja einen Minirock an!“

Ich weiß, Ihr hättet das gern, dass wir in einer gerechten Welt leben, ohne Rassismus, Sexismus und den ganzen anderen blöden Ismen, aber so weit sind wir noch nicht.

Also nochmal:
Es ist okay, wenn eine schwarze Mutter morgen zu H&M geht und ihrem Kind das Shirt kauft.

Es ist NICHT okay, wenn H&M für eine GLOBALE Kampagne mit diesem Bild dafür sorgt, dass das uralte Rassismus-Geschwür weiter wuchert und niemals heilt.

Und JA, die Empörung darüber IST gerechtfertigt. Auch wenn Fußballprofis mit afrikanischem Hintergrund das Foto vielleicht nicht so schlimm finden (ist das eine wirklich repräsentative Zielgruppe?), frag mal die Ghanaerin oder den Senegalesen hier im Kiez.

Update ein paar Stunden später:

Mir wurde dieser Artikel empfohlen, der es ganz genau auf den Punkt bringt. Danke, Johannes Kram!

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  1. Super Sätze & auch Bilder etc.!! Schön, dass es Euch gibt!! Zum Thema darf ich euch aber auch > wärmstens die seite von „schonausprizip.wordpress.com.“ Empfehlen!! Frau v. Waldegg schreibt dort ganz Wesentliches zu Euren Themen!! LG. ‚hotscha24.wordpress.com.‘!!

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