Ich bin links. Meine Eltern waren und sind links. Meine Schwester auch.

Ich wähle rot und habe das bisher auch mit gutem Gewissen getan, obgleich mir das schon in den letzten paar Jahren zunehmend schwerer fiel.

Ich denke schon, dass sie es gut meinen, aber ich habe oft das Gefühl, sie handeln unüberlegt, wie ein paar halbstarke Hitzköpfe.

Eine Linken-Problematik, der ich in den Jahren 1997 – 2008 öfter begegnete, war die Haltung zur baskischen Terrorgruppe E.T.A. (Euskadi Ta Askatasuna = dt. „Baskenland und Freiheit“), bzw. zu den Terroristen, die ihre Strafen absaßen.

Da wurde romantisiert, was das Zeug hielt, von einem „antifaschistischen Freiheitskampf“ war da die Rede, und dass man die Genossen doch in besagtem Kampf zu unterstützen habe. Richtig großer, gequirlter Bullcrap wurde da verzapft, dass sich mir immer noch die Fingernägel nach oben klappen.

Freiheitskampf? Was denn für’n Freiheitskampf, seid Ihr bescheuert? Franco ist 1975 gestorben. Klar könnte man argumentieren, dass die E.T.A. zu Zeiten der Diktatur (die immerhin bis zu Francos Tod andauerte, und das ist in der Tat nicht soooooooooo lange her) durchaus ihre Berechtigung hatte, wenn man die Geschichten der älteren Generation hört, die das tatsächlich miterlebt haben. Wobei sich da wieder die Frage aufdrängt, die sich (zumindest mir, siehe hier) immer wieder aufdrängt: wen willst (und wirst) Du überzeugen mit Bomben und Gewalt?

Na, jedenfalls ging es mir gewaltig auf den Sack, dass ich immer wieder diese Links von der Antifa bekam, oder zu irgendwelchen Artikeln in der Jungen Welt. Was die Autoren besagter Artikel besonders anprangerten im Umgang der spanischen Regierung mit E.T.A., war die Inhaftierung von verurteilten E.T.A.-Terroristen. Diese erfolgte nämlich oft (wenn nicht sogar fast immer, aber da fehlen mir die Fakten) weit weit weg von zu Hause. In erster Linie war das als Schikane gedacht, klar. Es sollte den Angehörigen schwer gemacht werden, ihre einsitzenden Familienmitglieder zu besuchen.
Ob das perfide ist? Ja, sicher.
Aber ich habe in einer Talkshow des spanischen Fernsehens zum Thema mal mitbekommen, wie der Vater eines E.T.A.-Opfers und der eines E.T.A.-Terroristen argumentiert haben. Der Terroristenvater lamentierte, dass er seinen Sohn so selten sehen könnte, weil der 500km weit weg in einer Vollzugsanstalt in Südspanien seine Strafe absäße und er es sich nicht leisten könnte, ihn so oft zu besuchen. Der Opfervater entgegnete trocken: „Och, da hab ich es einfacher. Der Friedhof ist nur 150m von meinem Haus entfernt.“
Und obwohl ich das spanische Fernsehen nicht gutheißen will, weil ich es noch grottiger finde, als das deutsche, und auch wenn das vielleicht alles inszeniert war – es ändert NICHTS an den Fakten.

Also, liebe deutsche junge Linke: E.T.A. muss oder musste man nie unterstützen. Das sind Mörder, die eine nicht unwesentliche Anzahl Unschuldiger auf dem Gewissen haben, aus Gründen, die jeglicher Grundlage und Rechtfertigung entbehren. Also haltet Eure Fresse und informiert Euch, bevor Ihr zur Solidarisierung im baskischen Freiheitskampf aufruft. Dieser Aufruf ist ein Tritt in die Eier der Opfer.

Ein weiteres Ding der Linken, insbesondere der sogenannten Antifa, das mich pissig macht ist die Tatsache, dass unglaublich viele von denen augenscheinlich extrem auf Krawall gebürstet sind. Ob das der erste Mai ist oder sonst irgendwas, am Schluss haben sie alle einen sitzen und boxen sich mit den Bullen, zumindest kommt mir das so vor. Egal, ob am Kotti oder am Hermannplatz, Hauptsache, man hat sich mit der Polizei geprügelt und so gegen das System protestiert.
Hm, alles klar.
Ey, ganz ehrlich? Karl Marx würde sich im Grabe umdrehen. Ihr habt nichts begriffen. Gar nichts. Ich würde schwören, dass 95% Prozent von Euch noch nie einen Blick in das Kommunistische Manifest geworfen haben oder gar wissen, wer der Co-Autor war.

Ich gebe zu, ich habe mich gerade mit einem Artikel in Rage gelesen, der sich mit der Erklärung zu einem Angriff auf die Flottwellstraße befasst und den ich gerne hier zitieren möchte:

Und damit liegt in diesen Anschlägen auch eine enorme Fremdenfeindlichkeit. Eigentlich unterscheidet sich das nicht von den Rechtsradikalen, die Angst haben, dass ihnen Immigranten die Arbeitsplätze wegnehmen. Die Unterschiede sind gering:

  • Die einen haben was gegen Muslime, die andere gegen Schwaben und Bayern.
  • Die einen zünden Häuser an, die anderen Autos.
  • Die einen fürchten Arbeitsplatzverlust durch preisgünstigere Konkurrenz, die anderen fürchten Wohnungsverlust durch besserzahlende Konkurrenz.
  • Beide glauben, es müsste alles nach ihnen gehen und sie könnten das mit Gewalt durchsetzen.
  • Beide müssen von der »normalen« Bevölkerung durchgefüttert werden.
  • Beide ertragen keine andere Lebensweise als ihre eigene.
  • Beide extrem intolerant.
  • Beide gewalttätig, ungebildet, brandstiftend.

Letztlich das gleiche. Gleiche Sorte selbstgerechter Höhlenmensch.

Und ich kann da echt nur zustimmen, so leid es mir tut. Ich würde mich schon nach wie vor als links bezeichnen, ich möchte nach wie vor, dass mehr Menschen wie Gregor Gysi sagen, was Sache ist und unbequem sind, aber ich kann mich in zunehmendem Maße nicht mehr mit den Inhalten der früher mal roten Parteien identifizieren. Ich räume allerdings ein, dass ich nicht jedes Parteiprogramm im Einzelnen auswendig kann.

Aber doch, ja, ich, die ich seit meiner ersten Wahl (einen Tag nach meinem achtzehnten Geburtstag damals!) immer wieder predige, dass wählen gehen zur ersten Bürgerpflicht gehört, ich finde es immer schwieriger, guten Gewissens überhaupt ein Kreuzchen zu machen.

UPDATE/ZUSATZGEDANKEN:

Natürlich  ging und geht es mir nicht um die pauschale Gleichsetzung von Links und Rechts.
Worum es mir geht ist, dass immer wieder, egal wie motiviert, hauptsächlich jüngere Anhänger einer wie-auch-immer gearteten Bewegung eine Gewaltbereitschaft an den Tag legen, die ihresgleichen sucht. Kann sein, dass das am Alter liegt. Jugendlicher Leichtsinn und so. Wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

via Danisch

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