Ich glaube, ich war fünfzehn. Vielleicht auch sechzehn. Neunte oder zehnte Klasse, Wahlpflichtfach Musik an der Sophie-Scholl-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.

Mittwoch Abend, Multiraum, ich stand auf der Bühne, am linken Rand bei der Rhythmusgruppe. In meiner rechten Hand ein Tamburin. Links hinter mir der Schlagzeuger Emil. Er war neu in der Big Band, Anfang zwanzig, und ich war ein bisschen verknallt in ihn. Links vor mir, auf dem Boden (soll heißen: nicht auf der Bühne) der Flügel nebst Pianist. Ich hasste ihn. Also, den Typen, nicht das Instrument. Ich war schwerst pubertär-andersbegabt und fand ihn furchtbar schlecht als Pianist. Nach damals neun Jahren klassisch-moderner Klavierausbildung hielt ich mich für wesentlich besser als ihn. Doch Leopold, mein Klassenlehrer und Big Band-Leiter, konnte ihn damals nicht einfach rausschmeißen. Also hatte er mir angeboten, die Percussion zu übernehmen. Damit war ich einverstanden, denn Percussion liebte ich schon immer. Bis heute, übrigens.

Da stand ich also, meine dritte Probe als offizielle Percussionistin der Sophie-Scholl-Big Band und für das Stück „Pick Up The Pieces“ sollte ich das Tamburin schwingen. Mir war schlecht. Ich kannte das Lied nicht, und die Noten sagten mir original gar nichts und mich vor Leopold zu blamieren war keine Option. Ich liebäugelte ja immer noch mit dem Piano-Posten (den ich dann anderthalb Jahre später tatsächlich übernahm, doch das ist eine andere Geschichte) und wollte es mir nicht versauen.

Es ging los. Anfangs war ich komplett überfordert. Aber ich glaube mich zu entsinnen, dass Leopold es mir einmal gezeigt hatte. Also, wie er sich das vorgestellt hatte. Gottseidank waren die Blechbläser total grottig an diesem Abend, so dass wir mehrere Durchläufe wegen denen abbrechen und wiederholen mussten, was mir wiederum die Gelegenheit gab, mehrmals leise mit dem Tamburin zu proben und mich an das zu erinnern, was Leopold mir gezeigt hatte.

Und plötzlich machte es Klick, und ich hatte es gecheckt.

Seit diesem Abend vor 26 Jahren hat mich der Song nicht mehr losgelassen. Er ist aus meiner privaten, sowie aus der DJ-Playlist einfach nicht mehr wegzudenken, und der Erfolg gibt mir recht, denn jedes Mal, wenn ich den bringe, ist der Floor innerhalb von Sekunden voll (vorausgesetzt, es sind Leute da, logo) und manchmal gibt es „Szenenapplaus“.

Und wie auch einigen anderen Songs, die mich in meinem Leben begleitet haben, so habe ich auch diesem in Form eines Refixes ein Denkmal gesetzt.

Ich widme meine Version meinem Lehrer von damals. Dit is für Disch, Leopold!

Geil war er ja schon immmer, der Track. Aber jetzt ist er noch ein kleines bisschen geiler. Find ich.

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  1. Wir sind alle hin und weg 😉
    Lesen übrigens jeden Tag deinen Blog !!!

    Grüße aus Neckarsulm , Team Strasse 11

    Gefällt mir

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musical pearls, refixpalooza

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